Diakoniewerk Neues Ufer

Da sein für Menschen in ihren individuellen Lebenslagen

Wie an kaum einem anderen Ort ist die befreiende Kraft diakonischen Handelns so spürbar, wie auf dem Gründungsgelände der Diakoniewerk Neues Ufer gGmbH. Wachtürme wurden zu Kirchtürmen, der Apellplatz zur Baumkirche und die Offiziersbüros zur Verwaltung einer stetig wachsenden Arbeit für Menschen mit Unterstützung-, Pflege- oder Bildungsbedarfen. 

Rampe wird zum Symbol: Bis 1989 wurde das Gelände der Gemeinde Leezen in Rampe von der Zentrale der Staatssicherheit in der DDR genutzt. Nach Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit am 13. Januar 1990 engagierten sich Mitglieder des Auflösungskomitees,  Bürger der Region, die ortsansässige Kirchengemeinde und Menschen, die sich um ihre pflegebedürften Angehörigen oder ihre Angehörigen mit Behinderung sorgten, für eine soziale Nutzung des Gebäudekomplexes  – so sollte ein Zeichen gesetzt werden...

 

... Vor diesem Hintergrund begannen im Frühjahr 1990 die Verhandlungen über einen Nutzungsvertrag mit dem Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg e.V. Im Oktober des gleichen Jahres folgten die Vorbereitungen zur Gründung der Diakoniewerk Neues Ufer gGmbH als evangelischer Träger sozialer Einrichtungen in der Landeshauptstadt Schwerin und der Region Westmecklenburg. Gesellschafter wurden die Diakonischen Werke der Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen Schleswig-Holstein und Mecklenburg e.V., der Kirchenkreis Wismar sowie die zu diesem Zeitpunkt noch selbstständige Kirchengemeinde Retgendorf. Aufsichtsgremien und Geschäftsführung orientieren sich bei der fachlichen Ausrichtung des Unternehmens am Bedarf von Menschen in verschiedenen Lebenslagen. So entstanden Angebote im Bereich der Kindertagesförderung, der Bildung, der Teilhabe und Angebote für ein Altwerden in Würde. Im Rahmen der unternehmerischen Verantwortung hatte gleichzeitig die Sicherung von guten Ausbildungs- und Arbeitsplätzen Priorität.

Auf dem Gelände in Rampe und in den Wohneinrichtungen im damaligen Landkreis Schwerin, folgten umfangreiche Instandsetzungs- und Umbauarbeiten. Die Menschen, die hier wohnten, benötigten für ihre Tagesstruktur eine Aufgabe und einen Arbeitsplatz für ein erfülltes Leben. So kam es zur Gründung der Ramper Werkstätten mit Arbeitsangeboten für Menschen mit Behinderung. Nach dem Hauptsitz der Werkstätten in Rampe wurden weitere Betriebsstätten gegründet. Ergänzungen mit Angeboten im großen Angebotsfeld der Teilhabe wuchsen dem Unternehmen auch außerhalb des Kerngelöädes zu. 

Einige Mitarbeitende der ersten Stunde fanden keinen geeigneten Kindergartenplatz für ihr Kind mit einer Behinderung. Der Not der Stunde folgend beschäftigten sich Pädagogen mit dem Thema und richteten in einem der Gebäude auf dem Gelände in Rampe eine Spielstube ein. Hier betreuten sie Kinder mit und ohne Behinderung ihren Bedürfnissen entsprechend. Aus diesem pädagogischen Ansatz wurde ein Konzept entwickelt, mit dessen Umsetzung der Kindergarten für ALLE - wohl als erster integrativer Kindergarten in ganz Mecklenburg-Vorpommern - entstand. Es folgten die Pädagogische Frühförderung, der Sprachheilkindergarten, der Kindergarten Matthias Claudius als ältester Kindergarten Schwerins, Horte und Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt und den umliegenden Landkreisen.

Mit Gründung des Instituts für berufliche Aus- und Fortbildung (IBAF) in Rampe wurde schon 1991 der Grundstein für den Bildungsbereich gelegt. Aus dem IBAF entwickelte sich die heutige Evangelische Pflegeschule Schwerin, eine der ältesten Pflege-Fachschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Hinzu kamen weitere Schulen mit unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen: die Montessori-Schule und die Weinbergschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die Edith-Stein-Schule im Unternehmensverbund und der Bereich der Beruflichen Bildung im Ramper Werk ergänzen das Bildungsangebot.

Als erste Wohneinrichtung ihrer Art in Mecklenburg-Vorpommern eröffnete das Neue Ufer im Jahr 1996 das Haus Schalom für ältere Menschen mit Behinderung. Seniorinnen und Senioren stehen heute weitere Angebote zur Verfügung: Seniorenpflegeeinrichtungen, die Wohnanlage Rosenhof mit Betreuungsangebot sowie eine Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen in Pinnow oder Leezen. 

Das Diakoniewerk Neues Ufer war selbst immer ein Symbol für Veränderung und hat das Gelände in Rampe zu einem Raum für Veränderung gemacht. Relikte der Vergangenheit wurden nicht beseitigt, sondern mit der Übertragung neuer Aufgaben „in diakonischen Dienst gestellt“: Da, wo früher ein Appellplatz war, lädt heute zum Beispiel die Baumkirche zu Andachten und Gottesdiensten ein. Militärische Befehle sind verstummt für Botschaften, Gebet und Gesang. Der ehemalige Wachturm überwacht nicht mehr, sondern überzeugt: Die Seligpreisungen der Bergpredigt machen Mut und schenken Hoffnung. Ein Kirchplatz ist entstanden mit einem Andachtsraum für Gottesdienste im Freien und Gelegenheit zur Stille. Die Schranke auf dem Gelände hat früher ausgesperrt – heute ist sie offen, um Menschen einzulassen, denn sie sind willkommen.

Auch nach Zusammenführung der beiden traditionsreichen Unternehmen Diakoniewerk Neues Ufer gGmbH und Stift Bethlehem bleiben die Liegenschaften im Neuen Ufer und bleiben beredtes Zeugnis für die befreiende Kraft, die der Diakonie innewohnt.

Gremien der Diakoniewerk Neues Ufer gGmbH

Gesellschafterversammlung:
Diakonisches Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V., vertreten durch Vorständin Henrike Regenstein
Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Mecklenburg, vertreten durch Propst Marcus Antonioli
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Zittow-Retgendorf, vertreten durch Pastor Matthias Staak

Aufsichtsrat:
Vorsitzender: Landespastor Paul Philipps, Diakonisches Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Stellvertretender Vorsitzender: Pastor a.D. Holger Marquardt, Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Mecklenburg
Mitglied: Stefan Barth, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Zittow-Retgendorf
Mitglied: Dr. Uta Andrée

 

Kontakt

Vorstand und kaufm. Geschäftsführer

Thomas Tweer

    theol. Geschäftsführer

    Stiftspropst Jürgen Stobbe